Die Kapelle war ursprünglich "der in den Himmel aufgenommenen Jungfrau Maria" geweiht,

und ist seit etwa 1750 unter dem Schutzpatron des hl. Lambertus.

Um 1730 wurde die Werthkapelle von der St. Nikolauspfarre übernommen.

 

 

1690 wurde mit dem Bau der einschiffigen in Bruchstein errichteten Kapelle begonnen; 1691 konnte der erste Gottesdienst stattfinden.

1820 drohte die schadhaft gewordene Vorderfront einzustürzen. Bei der Planung der Wiederherstellung wurde beschlossen, die Kapelle zu vergrößern und zu verschönern. So entstand der den alten Bau überragende mächtige Vorbau, der die Werthkapelle zum merkwürdigsten religiösen Baudenkmal in Eupen macht.

Der in Bruchstein errichtete Vorbau ist an den Außenkanten der Vorderfront und beider Seitenfronten durch mächtige Pilaster aus behauenem Blaustein, teilweise aus Ziegelstein, verstärkt. Oberhalb der einfachen Profilkapitelle liegt das wie Architrav und Fries behandelte Gebälk, das ein viergiebelig gestaltetes Dach trägt. Überragt wird diese eigenartige Konstruktion von dem kleinen, wie eine viereckige Laterne konzipierte Glockentürmchen.

Den rechteckigen Haupteingang krönt ein Dreieckgiebel. Darüber wurde im Mauerwerk eine Rundbogennische ausgespart und hier eine Statue des hl. Lambertus von etwa 1830 aufgestellt.

Der ganze Vorbau zeigt Anklänge an den damals aufkommenden Klassizismus. Im Inneren überrascht der holzgeschnitzte Barockaltar des Jahres 1694, der die in die Chorwand eingelassene rundbogige Nische vollständig überdeckt.

Aus einfachem Mauerwerk ist die Mensa errichtet, die mit einem in Öl auf Leinwand gemalten Antependium verdeckt wird. Letzteres bringt in der Mitte ein Halbfigurenbild des hl. Lambertus.
Im Zentrum zeigt das Retabel ein Ölgemälde mit der Darstellung der "Himmelfahrt Mariens", die Kopie eines Gemäldes von Paul Rubens.
Seitlich des Gemäldes stehen je 2 gewundene Säulen , deren Sockel mit den Reliefbildern der 4 Evangelisten und ihren Symbolen geschmückt sind. Das gestufte Gebälk wird überragt von den freiplastischen Darstellungen links des Hl. Antonius von Padua mit Evangelienbuch und Monstranz, begleitet von einem Maultier, rechts des hl. Lambertus im Bischofsornat mit Putte, und im Zentrum von den Personen der Hl. Dreifaltigkeit.

Die auf einem Postament um die Erdkugel gruppierte Trinität zeigt links den Triumphator mit Kreuz, rechts Gottvater mit Dreiecknimbus, Krone und Zepter in den Händen, oben in der Mitte die von großem Strahlenkranz umfangene Taube des hl. Geistes.


Zwei stark bewegte Adoranten flankieren den hohen Tabernakelaufbau, der die untere Partie des Retabelgemäldes erheblich überlagert und in seiner jetzigen Gestalt einer Umänderung des Jahres 1831 zu verdanken ist. Dem Tabernakel sind das Gotteslamm mit Kreuzfahne und Strahlengloriole, sowie ein mächtiges Altarkreuz aufgesetzt.
Dieser Altar ist die vorzügliche Arbeit eines leider unbekannt gebliebenen Künstlers. Selbst wenn die Statuen jene Feinheit und Eleganz des Figurenschmucks vom Hochaltar in St. Nikolaus vermissen lassen, wenn dem eher bescheidenen Dekor Vielfalt der Motive und Brillanz der Technik eines Couvenaltars fehlen, dürfte es sich um die prächtigste Altarschöpfung in Eupen nächst dem Hochaltar aus St. Nikolaus handeln.

Im Chor auf der rechten Seite direkt neben dem Altar wurde die 1720 in Maastricht gearbeitete Hängekanzel angebracht. Vier reich mit Blumendekor belegte Volutenkonsolen gliedern den runden Kanzelstuhl in drei Felder. Diese zeigen in ovalen Strahlenmedaillons mit entsprechend beschrifteten Bändern die etwas derben Bildnisse des hl. Lambertus, Michael und Nikolaus.

Wahrscheinlich ist die etwa 1740 aufgestellte Kommunionbank aus poliertem Granit (angeblich aus der Dolhainer Gegend stammend) nach dem Muster derjenigen aus St. Nikolaus gearbeitet oder umgekehrt, denn beide zeigen Balustergruppen zwischen Stützen.

J. Reiners aus Lobberich, der bereits das Retabelgemälde restaurierte, hat die 1877 angeschafften Kreuzwegstationen hergestellt. Für die verschiedenen auf Leinwand gemalten Szenen verwertete er berühmte Vorbilder der Kunstgeschichte, so z.B. für die
14. Station Caravaggios weltbekanntes Bild "Grablegung Christi" aus den Vatikanischen Museen in Rom.

Von der kleinen, "aus der finsteren Zeit des Orgelbaues" stammenden Orgel ist nur bekannt, dass sie 1840 aufgestellt wurde.

Durch die fachgerechte Renovierung der Werthkapelle im Jahre 1975 konnte die Geschlossenheit des stimmungsvollen Gotteshauses deutlich unterstrichen werden.
Das in gebrochenem Weiß und Altrosa gehaltene Mauerwerk überdeckt die kurz vor der Jahrhundertwende ausgeführten Wandmalereien. Nur einige Ornamentleisten sind im ursprünglichen Zustand belassen worden.

(Quelle: Auszug aus "Geschichtliches Eupen"; Band X, 1976)

Die Werthkapelle
Eupen - Oberstadt

 

 

 

 

 

 

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